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Psyche

 

Psychischer Stress kann eine Veränderung des Immunsystems bewirken. So kann bei genetisch oder durch Infektion vorbelasteten Menschen der Morbus Basedow in oder nach Stresssituationen zum Ausbruch kommen. Eine bereits bestehende Erkrankung mit nur geringer Symptomatik kann verschlimmert werden. Stress ist jedoch nur als Auslöser, aber nicht im eigentlichen Sinne als Ursache zu betrachten.

 

Die Erkrankung nimmt durch die Hormonveränderungen meist erheblichen Einfluss auf die Psyche (Reizbarkeit, Unruhe, Psychosen). Zusätzlich wird der Erkrankte durch die häufig lange anhaltenden Krankheitssymptome psychisch belastet. Besonders beeinträchtigend für die Psyche ist das Hervortreten der Augen, das in seltenen Fällen auftritt.


Für den Patienten und die behandelnden Ärzte ist es oft schwierig, zwischen Symptom und Ursache der Erkrankung zu unterscheiden. Bei abklingender Krankheitsaktivität gelangt der an Morbus Basedow Erkrankte häufig wieder zu seinem seelischen Gleichgewicht.

 

Psychischer Stress sollte während der Erkrankung vermieden werden. Statt Psychopharmaka (die auch in den Schilddrüsenstoffwechsel eingreifen) genügt in vielen Fällen ein verständnisvolles Gespräch mit einem erfahrenen Arzt oder der Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten.
Wichtig für den Krankheitsverlauf sind Geduld und Ruhe.

 

 

 

Als Beispiel für Stress als Auslöser beim Morbus Basedow steht die Geschichte, die in einer medizinischen Zeitschrift (Lancet) veröffentlicht wurde: 1917 wurde einer 17 jährigen seit 6 Monaten verheirateten Frau mitgeteilt, dass ihr Mann auf See vermisst werde. Sein Schiff war torpediert worden. Innerhalb von 3 Monaten entwickelte die Frau eine vergrößerte Schilddrüse mit hervortretenden Augen. Bettruhe, Beruhigungsmittel und Jod (Anmerkung: sicherlich unangebrachter Therapieversuch, der die Symptomatik verschlechtert, wenn ein Morbus Basedow besteht) brachten eine anfängliche Besserung, dann verschlechterte sich die Krankheit wieder. Als ihr Mann, der wieder Erwarten überlebt hatte, nach Hause zurückkehrte, erholte sich die Frau ohne weitere Behandlung.


Schilddrüsenvergrößerung und Augensymptomatik bildeten sich komplett zurück.
Im Alter von 63 Jahren kam es zu einem Rückfall als ihr Mann an einem Herzinfarkt verstarb. Innerhalb von 3 Monaten vergrößerte sich die Schilddrüse bei hormoneller Überfunktion. Die Augensymptomatik war nicht sehr ausgeprägt. Nach einer operativen Behandlung normalisierte sich der Schilddrüsenstoffwechsel. (Lancet, Vol.339, 339-340)

 

Weitere Informationen über Psyche und Morbus Basedow finden Sie unter Psyche.

 

 

Medizinischer Hintergrund

Das Nervensystem ist eng mit dem Immunsystem verbunden. Die Forschung im Bereich der Neuroimmunologie deutet auf diese Zusammenhänge hin. Treten Stressfaktoren wie Tod des Lebenspartners, Arbeitsplatzwechsel oder Arbeitslosigkeit auf, soll es häufiger zum Ausbruch des Morbus Basedow kommen. Über die Zusammenhänge zwischen Stress und Morbus Basedow gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die zum Teil unterschiedliche Ergebnisse zeigen.

Eine Studie von Gray und Hoffenberg (1985) zeigt keine Häufung lebensverändernder Ereignisse vor Ausbruch des Morbus Basedow. Zu einem anderen Ergebnis kamen Sonino und Mitarbeiter in einer Untersuchung von 1993. Sie fanden bei Basedow-Erkrankten deutlich häufiger positive und negative lebensverändernder Ereignisse ein Jahr vor Krankheitsbeginn.

In einer Untersuchung von Radosavljevic und Mitarbeitern (1996) konnten bei Patienten mit Morbus Basedow ein Jahr vor Krankheitsbeginn erheblich mehr negative Lebensveränderungen gefunden werden als bei einer gesunden Vergleichsgruppe. Untersucht wurden jeweils hundert Patienten mit Morbus Basedow und hundert gesunde Probanden.

Stress kann das Immunsystem negativ beeinflussen. Es wird vermutet, dass es auf Zellebene zu einem Verlust der antigen-spezifischen T-Suppressorzellfunktion kommt. Ein Toleranzverlust von Zellen der Immunabwehr, den T-Zellen, sowie eine fehlerhafte Inaktivierung von unreifen selbstreaktiven B-Lymphozyten wird vermutet. Auch ein Ungleichgewicht verschiedener T-Zellen (TH1/TH2) wird diskutiert.

Bei ausgeprägtem Stress kann der Spiegel des Hormons CRH (Hormon, das vom Hypothalamus gebildet wird und in der Hypophyse die Freisetzung von ACTH fördert, das wiederum die Nebenniere zur Bildung von Cortison veranlasst) stark ansteigen, so dass es zu einer erhöhten Produktion von Interleukin 1 kommt. Interleukin 1 kann in hohen Mengen zu einer Fehlregulation des Immunsystems führen. 

 


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