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Radiojodbehandlung

 

Ziel der Radiojodbehandlung

Das Ziel der Radiojodtherapie ist die dauerhafte Beseitigung der Überfunktion. Dieses Ziel kann in 80-100% der Behandlungen erreicht werden. Als bewusst eingeplante Folge der Behandlung kommt es in 50-100% anschließend zu einer Unterfunktion. Da die Unterfunktion besser behandelt werden kann, wird sie als Nebenwirkung billigend in Kauf genommen.
Vorteil der Radiojodbehandlung gegenüber der Operation ist die Schonung von Nebenschilddrüsen und Stimmbandnerven sowie das Vermeiden einer Narkose.

 

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Radiojodtherapie ist in Deutschland und Tschechien mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden. In den übrigen europäischen Ländern wird die Radiojodtherapie auch ambulant (Behandlung im Krankenhaus ohne Übernachtung) durchgeführt. Der Grund liegt in der durch die Radiojodbehandlung aufgenommenen Menge an Radioaktivität deren Verabreichung vom Gesetzgeber unterschiedlich geregelt ist. Das ist für diejenigen wichtig, die mit dem Betroffenen zusammenleben.
Nach der Radiojodbehandlung stellt der Betroffene vorübergehend eine Strahlenquelle dar. Unter ungünstigen Umständen kann die vom Behandelten ausgehende Strahlenaktivität andere Menschen schädigen. Dies gilt besonders für Kinder oder schwangere Frauen in der unmittelbaren Umgebung des Betroffenen. Die Strahlenaktivität lässt mit der Zeit immer mehr nach. So musste der Erkrankte bis vor Kurzem mit einem Aufenthalt von durchschnittlich 10-12 Tagen im Krankenhaus rechnen. Heute kann der Patient das Krankenhaus nach etwa 3-4 Tagen verlassen, da sich die Strahlenschutzvorschriften geändert haben.

Während des Krankenhausaufenthaltes wird der Kontakt zu anderen Personen auf ein Mindestmaß beschränkt. Während der Aufenthalt in einer Radiojodabteilung früher als "Isolationshaft im Strahlenbunker" gefürchtet war, sind die Bereiche heute meist mit allen Annehmlichkeiten der modernen Klinik ausgestattet. Einige Erkrankte weichen aus diesem Grund zur Radiojodbehandlung ins Ausland aus. In Deutschland gibt es teilweise längere Wartezeiten für die Radiojodtherapie (4 Wochen bis 6 Monate), da ein Platz für die anschließende Isolation des Behandelten frei sein muss. Auch hier kann gelegentlich eine schnellere Behandlung im Ausland durchgeführt werden.

Wichtig: Einige Medikamente müssen vor Beginn einer Radiojodbehandlung abgesetzt werden. Fragen Sie Ihren Arzt, wenn Sie andere Medikamente regelmäßig einnehmen müssen.

 

Was passiert bei der Radiojodbehandlung?

Dem Erkrankten wird radioaktives Jod (131J) als Kapsel zum Schlucken verabreicht. Dieses radioaktive Jod wird praktisch ausschließlich von der Schilddrüse aufgenommen und kann nun direkt in der Schilddrüse wirksam werden. Durch die lokale Bestrahlung der Schilddrüsenzellen kann die bestehende Überfunktion beseitigt werden. Strahlenbelastungen an anderen Organen entstehen nicht.

Die Menge an radioaktivem Jod, die der Betroffene erhält, wird für jeden Patienten einzeln berechnet. Bei der Berechnung der Dosis spielen unter anderem die Größe der Schilddrüse und die Krankheitsaktivität eine Rolle.

 

Wie wirkt sich die Radiojodbehandlung auf die Größe der Schilddrüse aus?

Als oft gewünschter Nebeneffekt kommt es durch die Radiojodbehandlung zu einer Verkleinerung der Schilddrüse um bis zu 50 %.
Sehr starke Schilddrüsenvergrößerungen (>60ml) sollten dagegen besser operativ behandelt werden.

 

Wann tritt die Wirkung der Radiojodtherapie ein?

Vor der Radiojodtherapie muss der Erkrankte darüber informiert werden, dass die Wirkung mit Verzögerung eintritt und der Erfolg erst 6-8 Wochen nach der Radiojodbehandlung festgestellt werden kann. 3 Monate nach der Radiojodbehandlung sollte eine Verlaufskontrolle mit Ultraschall der Schilddrüse erfolgen. Nach 6 Monaten wird die erneute Kontrolle empfohlen. Im weiteren Verlauf sollten Kontrollen in jährlichen Abständen erfolgen.
Da der gewünschte Effekt der Behandlung mit Verzögerung eintritt, kann es erforderlich sein, bis zum Wirkungseintritt schilddrüsenhemmende Medikamente (Thyreostatika) einzunehmen. Bei Überfunktion der Schilddrüse müssen nach Radiojodbehandlung kurzfristige Kontrollen erfolgen.

Im zeitlich längeren Abstand nach einer Radiojodbehandlung kann eine Unterfunktion auftreten, wobei unklar ist, ob es sich um die in der Regel notwendige Folge der Radiojodbehandlung handelt.

 

Was muss bei zusätzlicher Augenerkrankung beachtet werden?

Zum Schutz der Augen sollte bei endokriner Orbitopathie im Rahmen der Radiojodbehandlung immer Cortison gegeben werden. Eine Dosis eines Kortisonpräparates entsprechend 20-40mg Prednisolon für 4-6 Wochen wird empfohlen. Die Behandlung mit Cortison sollte gleichzeitig mit der Radiojodtherapie begonnen werden und bis zu 6 Wochen nach der Therapie in absteigender Dosierung fortgeführt werden. Danach kann das Medikament auf Anweisung des Arztes reduziert werden.

Nach einer Radiojodtherapie sollte für 6 Monate eine sichere Schwangerschaftsverhütung erfolgen.

 

Für wen ist die Radiojodbehandlung geeignet?

  • Nach einjähriger erfolgloser medikamentöser Behandlung
  • Unverträglichkeit von Thyreostatika
  • Bei erhöhtem Operationsrisiko
  • Nach erfolgloser operativer Behandlung
  • Bei nicht oder nur wenig vergrößerter Schilddrüse
  • Bei Wunsch des Erkrankten

 

Für wen ist die Radiojodbehandlung nicht geeignet?

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangere (hier ist die Radiojodbehandlung grundsätzlich verboten)
  • bei problematischer Augenbeteiligung (endokrine Orbitopathie)
  • bei stark vergrößerter Schilddrüse


Zum Ausschluss einer Schwangerschaft sollte bei jeder Frau, vor einer Radiojodtherapie, grundsätzlich ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden. Dies gilt auch für Frauen bis zum fünfundfünfzigsten Lebensjahr, die meinen schon in den Wechseljahren zu sein.

 

Nebenwirkungen der Radiojodbehandlung

  • Entzündungen der Speicheldrüsen
  • Mundtrockenheit
  • Vorübergehende Beeinträchtigung des Geschmackssinns


Auch die Speicheldrüsen nehmen geringe Mengen an radioaktivem Jod auf. Um einer Entzündung der Speicheldrüsen durch Radiojodbehandlung vorzubeugen, wird das Trinken von sauren Säften, das Lutschen von Zitronen und Kaugummikauen empfohlen.

Das radioaktive Jod wirkt überwiegend in der Schilddrüse. Nur ein sehr geringer Teil der Bestrahlung wirkt sich auch auf den restlichen Körper aus. Jod wird über die Niere und den Darm ausgeschieden. Hier kann das radioaktive Jod zu vorübergehendem Durchfall führen. Außerdem können selten Mundtrockenheit sowie eine vorübergehende Störung des Geschmackssinns auftreten. Allergien werden selten berichtet. Sehr selten sind Störungen der Funktion der Nebenschilddrüsen, die sich mit Kribbeln in Händen und Füssen äußern können.

 

Risiken der Radiojodtherapie

Bei bestehender Augenerkrankung im Sinne einer endokrinen Orbitopathie sollte eine Radiojodbehandlung nur unter gleichzeitiger Einnahme von Cortison erfolgen. Ohne Cortisoneinnahme kann es in 10-20% der Behandlungen zu einer Verschlechterung der Augenproblematik kommen.
Eine Verschlechterung der endokrinen Orbitopathie trotz Cortison wurde im Rahmen einer Radiojodbehandlung fast nie beobachtet.

Das theoretisch denkbare Risiko einer Erhöhung der allgemeinen Krebsrate in Folge der Radiojodbehandlung hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht bestätigt. In Deutschland wird eine Radiojodtherapie jedoch meist erst ab einem Alter von 20 Jahren durchgeführt, um auch dieses Restrisiko möglichst klein zu halten.

Sehr selten (<1%) kommt es nach einer Radiojodbehandlung zu einer vorübergehenden Entzündung der Schilddrüse. Die Entzündung der Schilddrüse kann mit Eiskühlung und entzündungshemmenden Medikamente in der Regel problemlos behandelt werden.

Die Radiojodbehandlung ist in der Schwangerschaft verboten. In der Stillzeit muss die Mutter vor Beginn der Radiojodbehandlung abgestillt haben.

 

Wie oft kann eine Radiojodbehandlung durchgeführt werden?

Radiojodbehandlungen können mehrfach durchgeführt werden. Wichtig ist dabei die Gesamtstrahlenbelastung für den Patienten, die ein bestimmtes Maß nicht überschreiten sollte. Allerdings sollte heute immer angestrebt werden, das betreffende Schilddrüsenproblem durch eine einzige, genügend hochdosierte Radiojodtherapie endgültig zu beheben.

 


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