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Psyche und Krankheitserleben

 

Für die Psyche oder besser für die Seele ist die Basedow Krankheit ein einschneidendes Erlebnis. Als "Gang durch die Hölle" wird sie von einigen Betroffenen beschrieben. Im akuten Stadium beeinträchtigt sie alle Lebensbereiche, die Arbeit, Freundschaften und Familie. Gelegentlich ist das Arbeiten für lange Zeit nicht möglich und führt zu Arbeitsplatzverlust, eventuell sogar zum sozialen Abstieg.

Sind die Krankheitssymptome so dramatisch, dass eine Einweisung auf die Intensivstation erfolgt, muss sich die Psyche mit einer existentiellen Bedrohung auseinandersetzen. Das Erlebnis einer lebensbedrohlichen Situation kommt zum Teil erst lange nach der akuten Krankheitsphase wieder an die "seelische" Oberfläche und verlangt nach Bearbeitung.


Stehen psychische Symptome im Vordergrund der akuten Erkrankung, wird bei einigen Patienten die Krankheit gelegentlich erst im psychiatrischen Krankenhaus erkannt.


Alle Körperfunktionen laufen auf Hochtouren. Körper und Seele sind aufs äußerste gespannt, von den Hormonen überflutet. Alle äußeren Eindrücke werden intensiviert. Die Wahrnehmung verändert sich.
Auch bei weniger schweren Verläufen kann die Psyche dabei nicht unbeeinträchtigt bleiben.
Der Körper macht scheinbar, was er will. Die Kraft nimmt ab, während gleichzeitig die Unruhe steigt. Die Seele ist dem Geschehen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Angst und Selbstzweifel entstehen.
Der Erkrankte erlebt sich als schwach und unsicher. Seine Fragen nach Ursache, Symptomen und Therapie bleiben oft unbeantwortet.
Wirkt die Therapie und verschwinden die Symptome, beruhigt sich auch die Psyche. Zurück bleibt aber häufig eine tiefe Verunsicherung .

Wenn andere Ursachen nicht genau geklärt sind, liegt die Vermutung nahe, die Krankheitsursache in der psychischen Verfassung zu suchen. Da das Bedürfnis nach einem Krankheitsgrund groß ist, greift man zum nächstliegenden, der Psyche. Der Kranke empfindet sich zudem auch als psychisch angeschlagen.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass Symptom und Ursache unterschieden werden. Die Psyche ist angeschlagen, weil die Krankheit aufgetreten ist. Nicht weil die Psyche angeschlagen ist, kam es zur Erkrankung. In diesem Zusammenhang kann eventuell die Erkenntnis hilfreich sein, dass auch Tiere an Morbus Basedow erkranken können.

 

Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch ist es für Nichterkrankte bequemer, an eine psychische Ursache der Erkrankung zu glauben. In diesem Fall kann nämlich derjenige, der eine stabile Psyche hat, nicht krank werden und ist damit außer Gefahr, in eine ähnliche Situation zu geraten.

Auch für viele Betroffene ist es günstiger, die psychischen Ursachen in den Vordergrund zu stellen. Ist die Psyche "Schuld", dann kann ich als Betroffener etwas dagegen unternehmen. Ich bin dann nicht passiv einem Schicksalsschlag ausgeliefert, sondern kann selbst aktiv etwas tun.
Der Weg aus der Passivität als Patient zur Aktivität als Mittherapeut stärkt das Selbstvertrauen. Diese Sicht der eigenen Rolle in der Krankheit als Weg zur Selbsthilfe kann in vielen Fällen günstig sein.
Der an Morbus Basedow Erkrankte, der seine Krankheit nicht allein den Ärzten überlässt, sondern sich selbst informiert und hilft, gewinnt an Selbstvertrauen und Sicherheit und hat damit bessere Chancen, gesund zu werden.
Der Morbus Basedow ist keine psychische Erkrankung. Trotzdem können psychische Faktoren bei der Auslösung und auch im Verlauf der Krankheit eine wichtige Rolle spielen.
Für die Behandlung bedeutet das einen klaren, zusätzlichen Nutzen von psychotherapeutischer Hilfe. Sie wird von vielen Erkrankten gewünscht und als sinnvoll empfunden.

Die Bewältigung von Krisen im Leben des einzelnen Menschen kann sich positiv auf dessen Entwicklung auswirken. Sie kann Anlass sein, ein Resümee des bisherigen Lebens zu ziehen, Ziele und Pläne neu zu überdenken. Krankheit als Krise kann dann positiv in den Lebensablauf integriert werden. Hierbei handelt es sich jedoch um einen schwierigen und langwierigen Prozess.
Der an Morbus Basedowerkrankte sollte sich die Zeit nehmen, sich trotz, mit und durch die Krankheit weiterzuentwickeln. Dann kann sich die Psyche nicht nur erholen, sondern gestärkt aus der Krankheit hervorgehen.


 


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