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Schilddrüsenhormone und hormoneller Regelkreis

 

T3 und T4

Die Schilddrüse produziert die beiden Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin). T3 und T4 werden in einem Verhältnis von 1:10 ins Blut ausgeschüttet. Es wird also wesentlich mehr Pro-Hormon T4 gebildet. Zur Bildung beider Hormone benötigt die Schilddrüse Jod.

Das im Körper wirksame Hormon ist T3. T4 dient als Reserve, aus der mit Hilfe von Enzymen das T3 hergestellt wird. Beide Hormone liegen in gebundener inaktiver Form und in freier aktiver Form im Körper vor; gebunden heißt, dass die Hormone eine chemische Bindung mit Transportproteinen eingehen. Als Vergleich: eine Kopfschmerztablette kann als unwirksames Medikament in Pulverform im Schrank liegen und erst wirksam werden, wenn sie aus dem Schrank genommen (Abspaltung vom Transportprotein) und dann in Wasser aufgelöst wird (Umwandlung in das wirksame T3).

 

 

Medizinischer Hintergrund zu T3 und T4

T4 ist im Blut zu über 99% an Transportproteine gebunden. Etwa 0,03% liegt in freier Form vor. T3 ist ebenfalls zu über 99% an Transportproteine gebunden. Der Anteil des ungebundenen T3 beträgt etwa 0,3%. Die Menge der Transportproteine kann sich in verschiedenen Lebenssituationen ändern. So steigt die Menge der Transportproteine beispielsweise bei Einnahme der Anti-Baby-Pille oder in der Schwangerschaft. Damit in diesen Fällen noch genug freies aktives T3 vorliegt, muss die Gesamthormonmenge erhöht werden. Wird nur die T3/T4-Menge bestimmt, kann sich ein falscher Eindruck ergeben. Die Bestimmung der freien Hormone ist dagegen genauer. Besonders die Bestimmung des freien T4 wird empfohlen. Bei T3 ist die Proteinbindung etwas geringer, hier kann anstelle des freien T3 auch die Gesamthormonmenge T3 ausreichenden Aufschluss geben.

 

Tipp für den Hormonersatz

Zur Kontrolle der Hormoneinstellung müssen die freien T3 und T4 Werte bestimmt werden. Da die Normalwerte sich für das freie und das gebundene Hormon unterscheiden, sind die Werte nicht vergleichbar. Bei langfristiger Gabe von Schilddrüsenhormonen sollten immer dieselben Werte bestimmt werden, damit sie verglichen werden können. Bei den Normalwerten gibt es zusätzlich Unterschiede von Labor zu Labor. Für den Schilddrüsenpatienten ist es günstig, die Werte immer im selben Labor bestimmen zu lassen. In Zweifelsfällen sollten die jeweiligen Normalwerte beim behandelnden Arzt erfragt werden.

T3 ist ähnlich wie die oben erwähnte aufgelöste Kopfschmerztablette nicht lange haltbar. Die sogenannte Halbwertszeit, also die Zeit, in der die Hälfte der Substanz abgebaut und damit unwirksam wird, beträgt für T3 nur neunzehn Stunden. T4 hat dagegen eine Halbwertszeit von achtTagen. Dieser Zusammenhang erklärt auch die schwierige Einstellung der Schilddrüsenwerte nach einer Operation. Die Hormone, die heute eingenommen werden, können mehrere Wochen wirken. Bei Veränderungen der Medikamentendosierung lohnt sich eine Kontrolle erst nach zwei bis drei Wochen. Die Verhältnisse im Körper sind zudem leider noch komplizierter, so kann sich zum Beispiel je nach Menge des zugeführten Hormons auch noch die Abbaurate ändern.

 

Normalwerte des T3

Erwachsene: (total) T3: 0,9-1,8 ng/ml oder 1,4-2,8 nmol/l
Erwachsene: freies  T3: 3,5-8,0 ng/l oder 5,4-12,3 pmol/l
Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Tabellen je nach Alter.

 

Normalwerte des T4

 

Erwachsene: (total) T4: 5,5-11,0 µg/dl oder 77-142 nmol/l
Erwachsene: freies  T4: 0,8-1,8 ng/dl oder 10-23 pmol/l

Für Kinder und Jugendliche gibt es eigene Tabellen je nach Alter.

Die Normalwerte können je nach Labor und Bestimmungsmethode Abweichungen zeigen.

 

TRH

Im Gehirn des Menschen liegen zwei Schaltzentralen für die Steuerung des Hormonstoffwechsels, die Hypophyse und der Hypothalamus. Nach einem vereinfachten Schema kann der Hypothalamus eine Botschaft an die Hypophyse schicken, die lautet "sorge dafür, dass die Schilddrüse Hormone bildet".

Diese Botschaft wird in Form eines Hormons vermittelt. Dieses Hormon heißt TRH. TRH bedeutet Thyreotropin Releasing Hormon und ist das Hormon, das aus der Hypophyse TSH freisetzt. Die Bestimmung des TRH ist praktisch nie erforderlich und wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.


TSH

Die Hypophyse erhält die Botschaft "sorge dafür, dass die Schilddrüse Hormon produziert". Sie schüttet daraufhin ihrerseits ein Hormon in die Blutbahn aus mit folgender Botschaft "die Schilddrüse wird aufgefordert, T3 und T4 zu bilden". TSH bedeutet Thyreoidastimulierndes Hormon, also das Hormon, das die Schilddrüse anregt, T3 und T4 zu bilden. TSH wirkt direkt an der Schilddrüse.

Die gesunde Schilddrüse bildet nach Erhalt der Hormonbotschaft und in Anwesenheit von genügend Jod daraufhin T3 und T4.

T3 und T4 erscheinen im Blut und können nun rückwirkend die Bildung von TSH und TRH in Hypophyse und Hypothalamus unterdrücken. Hypophyse und Hypothalamus merken, dass ihre Botschaft verstanden wurde und vermindern die Produktion von TSH und TRH.

Die Steuerung der T3- und T4-Bildung ist in diesem Schema sehr vereinfacht. Die vollständigen Vorgänge an Hypophyse, Hypothalamus und Schilddrüse sind wesentlich komplexer und zum Teil noch nicht ausreichend geklärt. Für das Grundverständnis des Schilddrüsenstoffwechsels ist das Modell jedoch sinnvoll.


Normalwerte des TSH

 

TSH: 0,3-2,5 mU/l

Nach Entfernung der Schilddrüse wird die Einstellung des TSH unter 1,0 mU/l empfohlen.

 

Was bedeuten niedrige TSH-Werte?

TSH<0,3 mU/l

Die Schilddrüse bildet zuviel Hormone. Die TSH Produktion wird deshalb vermindert. Die Botschaft "die Schilddrüse wird aufgefordert, Hormon zu bilden" ist nicht angebracht bei zu viel T3 und T4 im Blut.

 

Was bedeuten zu hohe TSH Werte?

TSH>2,5 mU/l

Die Schilddrüse bildet zu wenig Hormon. Die TSH Produktion wird gesteigert. Die Botschaft "die Schilddrüse wird aufgefordert, Hormon zu bilden" wird entsprechend bei zu niedrigen T3 und T4 Werten im Blut vermehrt ausgegeben.

 

Ausnahmen

In einigen Fällen kommt es zu einer Abweichung des TSH-T3/T4 Verhältnisses. Z.B. kann auch bei noch normalen T3 und T4 das TSH erniedrigt oder erhöht sein. Diese Werte sollten im Einzelfall durch einen Endokrinologen geklärt werden.

 

Wie oft sollten die Schilddrüsenhormone bestimmt werden?

Wie oft die Hormone bestimmt werden sollen, hängt vom Einzelfall ab. Eine Bestimmung der Hormonwerte ist im akuten Krankheitsstadium alle zwei bis vier Wochen sinnvoll. Kürzere Intervalle sind nicht zu empfehlen, denn die Schilddrüsenwerte ändern sich unter medikamentöser Behandlung nur langsam. Dies gilt für die Behandlung mit schilddrüsenhemmenden Medikamenten, den Thyreostatika, ebenso wie für operierte Patienten, bei denen die Schilddrüsenhormone als Tabletten zugeführt werden müssen.

Ausnahmen

  • Im lebensbedrohlichen Fall der Hormonvergiftung (thyreotoxische Krise) kann eine kurzfristige Kontrolle der Schilddrüsenwerte erforderlich werden, damit die Situation des Erkrankten eingeschätzt werden kann. Die Kontrollen können dann sogar täglich notwendig werden. In diesen Fällen ist eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus notwendig.
  • Wenn die Schilddrüsenwerte nicht im Normalbereich liegen, sollten solange Kontrollen erfolgen, bis Normalwerte erreicht sind. Die Art und Menge der Medikamente müssen den jeweiligen Werten immer wieder angepasst werden. Bei Kontrollen im Abstand von 3-6 Wochen dauert es bis zur erfolgreichen Einstellung der Werte in den Normalbereich meist mehrere Monate.
  • Sind Normalwerte der Hormone im Blut erreicht, können die Kontrollabstände vergrößert werden. Bei Wohlbefinden ist jedoch mindestens eine Kontrolle pro Jahr ratsam. Im Alter zeigen sich Veränderungen der Schilddrüsenwerte gelegentlich nur mit wenigen Symptomen. Arzt und Patient sollten deshalb bei bekannter Schilddrüsenkrankheit und unklaren Beschwerden immer an eine Bestimmung der Schilddrüsenwerte denken.
  • In lebensverändernden Phasen und bei zusätzlichen Krankheiten müssen die Schilddrüsenwerte kurzfristig kontrolliert werden. Zu den lebensverändernden Phasen gehören Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre. Die Einnahme von anderen Medikamenten (Anti-Baby-Pille, Antidepressiva), Krankheit und Gewichtsveränderung können die Schilddrüsenhormone beeinflussen.

Wichtig:

Im Zweifelsfall ist eine Bestimmung der Schilddrüsenwerte zuviel besser als eine Bestimmung zu wenig. Dieser Grundsatz soll jedoch nicht eine ungenügend begründete Blutentnahme rechtfertigen, sondern die Sensibilität für die weit verbreiteten aber zu selten erkannten Schilddrüsenkrankheiten erhöhen.

Calcitonin

In den C-Zellen der Schilddrüse wird Calcitonin gebildet. Calcitonin spielt beim Morbus Basedow keine Rolle. Als wichtiger Kontrollwert wird es zur Verlaufsbeobachtung bei Schilddrüsenkrebs (medulläres Karzinom) genutzt. Bei einigen Krankheiten (z.B. Osteoporose) wird Calcitonin als Medikament gegeben. Der Morbus Basedow gehört nicht zu diesen Krankheiten.

Parathormon

Unmittelbar hinter der Schilddrüse liegen die vier Nebenschilddrüsen. Die Nebenschilddrüsen werden auch Epithelkörperchen genannt. Sie bilden keine Schilddrüsenhormone, sondern das Parathormon. Parathormon ist für die Aufnahme von Kalzium in den Körper zuständig. Es steuert den Einbau von Kalzium in die Knochen unter Mithilfe von Vitamin D. Der Kalziumspiegel im Blut ist ebenso wie die Kalziumausscheidung über den Urin vom Parathormon abhängig.
Bei Schilddrüsenoperationen wird der Erhalt der Nebenschilddrüsen angestrebt. Werden die Nebenschilddrüsen versehentlich bei einer Operation entfernt oder in ihrer Funktion gestört, kommt es zu einer Unterversorgung des Körpers mit Kalzium.

Die Symptome einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen sind Kribbeln in Händen, Füßen und im Gesicht. Es kann zu bedrohlich wirkenden Krampfzuständen kommen. Die Behandlung besteht in der Gabe von Kalzium (bis zu 3000mg pro Tag) und Vitamin D. Die Dosierung richtet sich nach der Höhe des Kalziumspiegels im Blutserum. Zusätzlich sollte der Phosphatspiegel und Magnesiumspiegel kontrolliert werden.

Die Nebenschilddrüsen können nach Operation vorübergehend in ihrer Funktion gestört sein. Eine Behandlung mit Kalzium und Vitamin D kann dann nur vorübergehend notwendig sein. Wird nur eine der vier Nebenschilddrüsen entfernt, übernehmen meist die anderen Nebenschilddrüsen die Hormonproduktion vollständig. Bei Entfernung mehrerer Nebenschilddrüsen ist die Übernahme der Hormonproduktion durch die verbliebenen Nebenschilddrüsen vom Einzelfall abhängig.

Sind alle Nebenschilddrüsen entfernt, sollten die Betroffenen einen Notfallausweis bei sich tragen. Lebenslang müssen Kalzium und Vitamin D eingenommen werden. Langfristig müssen Kalzium und Phosphatspiegel kontrolliert werden. Eine Überdosierung von Kalzium und Vitamin D sollte vermieden werden.

Normalwerte

Kalzium: im Serum 2,15- 2,75 mmol/l, im 24-Stunden-Urin 4,02- 4,99 mmol/l
Phosphat: im Serum 0,84-1,45 mmol/l  


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